Langjähriger Umweltskandal bei Naturschutzgebiet:
Bauer vergiftete regelmäßig Boden und Luft mit toxischer Fäulnisbrühe

Selten haben sich so viele Leser in der Meinungsbildung mit einem Buchautor derart identifiziert wie mit Johannes G. Zaller, Ökologe an der Wiener Universität für Bodenkultur, der in seinem neuen äußerst empfehlenswerten Werk „Unser täglich Gift, Pestizide – Die unterschätzte Gefahr“ (Deuticke im Paul Zsolnay Verlag, Wien, 240 S., Klappenbroschur, € 20,00, ISBN 978-3-552-06367-9) sich vor allem mit den am häufigsten eingesetzten Unkrautvernichtungsmitteln (Herbiziden), Insektenvernichtungsmitteln (Insektiziden), Mitteln gegen Pilzkrankheiten (Fungiziden) und anderen Leben auslöschenden Bioziden kritisch auseinandersetzt.

In unmittelbarer Nähe unterhalb eines von den Gemeindepolitikern zu wenig geförderten Naturreservats, eines echten Juwels mit seltenen Orchideen und wunderbarer Weitsicht, befindet sich ein riesiges Wiesengelände, das uns als aktueller Gradmesser und Musterbeispiel für den verheerenden Einsatz von flächendeckenden Pestiziden und gefährlichen Gärresten aus einer Biogasanlage dienen soll.

Es war einmal Natur

Statt eines bunten Durcheinanders aus Wildblumen und -kräutern, das den Betrachter in die Tausende Farbpunkte eines impressionistischen Gemäldes versetzt, recken sich dort tiefgrüne, flache, fleischige Halme empor, die millionenfach hundertprozentig identisch daherkommen und aus einer gleichmäßig graubraunen Ackerkrume ragen, bar jeder Verunreinigung, als ob man sie mit der Zunge abgeschleckt hätte. Kein Käfer, keine Ameise, kein Regenwurm, kein Frosch, keine Schnecke, nicht einmal eine Milbe regt sich auf dem toten, leblosen Boden, auf dem alles, was die Natur außer dem hier üppig

sprießenden Hochleistungsgras je hervorgebracht hat, durch tödliche Spritzmittel ausgelöscht worden ist. Diese ökologisch gänzlich wertlosen Wiesen sind so gleichmäßig unnatürlich sattgrün, als hätte ein Maler seine Rolle darüber gezogen.

Das ehemals paradiesische Land ist jetzt mit seiner hohen Mauer aus Halmen ohne den mindesten Nährwert zur menschengemachten Ödnis verkommen. Hier brummen keine Insekten, schwirren keine Bienen und Hummeln, befinden sich keine Schmetterlinge im Torkelflug, zirpen keine Grillen, singen keine Vögel, hüpfen keine Kröten, räkeln sich keine Eidechsen in der Sonne, züngeln weder Ringelnattern noch Blindschleichen.

Hier sind die Böden durch übermäßige Nutzung und Überdüngung nach mehrjährigem Anbau von lebensfeindlichem Hochleistungsgras für den Betrieb einer Biogasanlage gänzlich ausgelaugt, zu monotonen Intensivflächen verwaist und zum Anbau von Lebensmitteln unbrauchbar geworden.

Giftbrühe und Verwesungsgestank

Wenn dann der ewiggestrige Bauer aus einer Nachbargemeinde die Mahd einfährt (dafür bevorzugt er seit Jahren Sonn- und Feiertage), donnert er mit seinem titanischen, überbreiten Traktor durch die Dorfwege, hinterlässt sämtliche Bäume am Pistenrand mit abgebrochenen Ästen und trampelt dort alles Grünzeug nieder, als hätte sich eine Horde Elefanten eine Schneise gebahnt.

Dann kommt der Fahrer, der in einer allseits umschlossenen, schwarzen Kabine hoch über der Straße thront, mit schrecklich überdimensionierten Containern im Schlepptau zurück und ertränkt regelrecht die Wiesen und Felder mit der daraus auslaufenden ekelhaften Fäulnisbrühe, deren unsäglicher Verwesungsgestank kilometerweit reicht und wochenlang in der Luft als eine toxische Mixtur von starken Atem- und Nervengiften fest verankert bleibt.

Durch die in Flur und Feld entsorgten Gärreste aus der „Zeitbombe“ Biogasanlage verseuchen Giftcocktails aus Gülle, Jauche und Mist, aus Antibiotika, Hochleistungsgras und Mais, aus Rückständen der Lebensmittel- und Futtermittelproduktion, aus Schlachtabfällen und sogar Tierkadavern die belasteten Äcker und die infizierte Luft mit tödlichen Pestiziden, hochinfektiösen Krankheitskeimen und gefährlichen Verwesungsbakterien. All diese Gärüberbleibsel dringen ins Erdreich ein, versauern das Ackerland, sickern ins Grund- und Oberflächenwasser ein, durchsetzen dieses mit Nitraten und anderen Schadstoffen und vergiften somit das Trinkwasser. Sie wabern auch durch die Luftatmosphäre und machen die in der näheren Umgebung lebenden Menschen krank, die diese Atem- und Nervengifte während langen Wochen einatmen müssen. Diese bestehen aus Schwefelwasserstoff (H2S), konzentriertem Kohlenstoffdioxid (CO2), Kohlenstoffmonoxid (CO), Ammoniak (NH3) und

Cyanwasserstoff (HCN, Blausäure), wirken wie Chemiewaffen und werden auch lautlose Killer genannt, dringen in die Poren der Nachbarhäuser ein und werden von den zu Recht um ihre Gesundheit bangenden und bereits erkrankten Anrainern zugleich wie Hausfriedensbruch und Terroranschlag auf ihr Zuhause empfunden. Das in der ominösen Gülle enthaltene Methan (CH4) ist auch durch seine erstickende Wirkung und leichte Entzündlichkeit brandgefährlich.

Verbinden sich diese Atem- und Nervengifte (H2S, CO2, CO, NH3 und HCN) und das leicht entzündliche Methan (CH4) in der Luft durch die Ausschüttung von Gülle auf Feldern und Wiesen, verstärkt sich in dieser Bündelung der gefährliche Einzeleffekt dieser fünf Chemikalien, die als verheerendes Fäulnisgebräu, als pures Gift, der Gesundheit von Mensch und Tier extrem zusetzen.

In der direkten Wohnnachbarschaft der regelmäßig mit Fäulnisbrühe aus der Biogasanlage getränkten Wiese sind bereits mindestens fünf Menschen an Krebs erkrankt (vier davon sind bereits verstorben), zwei Anrainer sind an Herzproblemen verschieden und vier Anwohner leiden an Nervenkrankheiten, was alles ganz bestimmt nicht dem Zufall geschuldet ist. Vier Häuser stehen leer. An der Propagierung dieser Krankheiten durch die schwarze Giftbrühe aus der Biogasanlage eines Bauern dürfte es kaum noch Zweifel geben.

Wider die Vergewaltigung der Umwelt

Das dank häufiger und extensiver Gülleüberschwemmungen reichlich sprießende und superdichte Hochleistungsgras erzeugt ein feuchtkaltes Bodenklima, in dem Insekten nicht zu überleben vermögen. Junge Wiesenvögel brauchen jedoch die Krabbeltiere als Grundnahrung und gehen unterernährt im nasskalten Mikroklima schmählich zugrunde. Der reichlich im überdüngten Erdreich entstandene Stickstoff wird schließlich zum Erstickstoff der Artenvielfalt und der Ackerfruchtbarkeit.

Dass Landwirtschaft ohne synthetische Pestizide funktioniert, ist unserem Bauern scheinbar noch nicht zu Ohren gekommen und erweist sich in Johann G. Zallers rezentem Sachbuch „Unser täglich Gift, Pestizide – Die unterschätzte Gefahr“ als eine der Kernaussagen, die sich heute wissenschaftlich durch zahlreiche Beispiele belegen lässt.

Wo und wie naturnahe Agrikultur mit Respekt vor den Tieren, den Pflanzen und dem Boden konsequent und mit Hingabe umgesetzt wird, erfahren wir zudem in einer weiteren Neuerscheinung, „Die Weisheit des Misthaufens, Expeditionen in die biodynamische Landwirtschaft“ (Verlag C.H. Beck, München, 202 S., Klappenbroschur, € 14,95, ISBN 978-3-406-72044-4), in der

Christian Göldenboog dem Kunstdünger abschwört und aus der Pestizid-Tretmühle herausführt.

Gegen den Artenschwund

Wenn wir in Luxemburg unser Scherflein dazu beitragen wollen, eine Million Arten von Pflanzen und Tieren vor dem Aussterben zu bewahren, dem großen Insekten- und Vogelschwund Einhalt zu gebieten, das große Verstummen vom Summen zu beenden, dann müssen wir eine Landwirtschaft mit Klima-, Tier- und Naturschutzambitionen aufbauen, dann dürfen wir keine Agrarbetriebe mit Massentierhaltung dulden, die mehr Gülle – und eventuell sogar eine mit antibiotikaresisten Keimen belastete Gülle – produzieren als die Felder vertragen, dann muss ab sofort Schluss sein mit der Förderung ominöser Biogasanlagen, mit Landschaftsversiegelung durch schädliche Monokulturen und mit dem Einsatz todbringender Pestizide. Dann müssen Umwelt-, Energie-, Landwirtschafts- und Gesundheitsministerium an einem Strang ziehen.

Was kann man aber von den zwei grünen Regierungsmitgliedern, der Umweltministerin und dem Energieminister, erwarten, die noch immer auf die längst als schädlich erkannte Biogastechnik setzen und keine Anzeichen einer Umkehr erkennen lassen? Was kann man erwarten von einem Landwirtschaftsminister, der sich seinen Wählern der Bauernschaft verpflichtet fühlt und bislang noch keine einzige konkrete Maßnahme für eine nachhaltige, biologisch-dynamische und giftlose Agrarpolitik auf die Reihe gebracht hat? Was kann man erwarten von einer Gesundheitsministerin, die mitten in der Corona-Pandemie sich nicht dazu durchringt, das Rauchen in der Öffentlichkeit zu verbieten (Konsequenz: Da wo Nichtraucher zu Recht Masken tragen müssen, laufen nikotinsüchtige Raucher überall ohne Maske herum, was verantwortungslos ist), bald eine neue Generation von Cannabissüchtigen zu verantworten hat und sich scheinbar mehr für die Interessen von Wirtschaft und (Tabak)industrie einsetzt als für die gesundheitlichen Belange unserer Gesellschaft? Wenn die Zukunft unseres Landes von dem Zusammenwirken dieser Politiker abhängt, dann kann man nur sagen: Armes Luxemburg!

Gulle1