Die mit großer Spannung erwartete zweite Gerichtsverhandlung gegen Rechtsanwalt André Lutgen ist am Donnerstag unterbrochen worden. Der Prozess wurde auf ein unbestimmtes Datum vertagt. Me André Lutgen ist im Zusammenhang mit einem tödlichen Arbeitsunfall im Stahlwerk Arcelor Mittal in Differdingen angeklagt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, den Untersuchungsrichter Filipe Rodrigues unter Druck gesetzt zu haben. 

Befangenheitsantrag als Prozesstaktik? 

Untersuchungsrichter Filipe Rodrigues wollte bei seinem mit Spannung erwarteten zweiten Auftritt vor Gericht nicht schweigen. Nach dem Plädoyer seines Verteidigers Me Daniel Cravatte verlangte Rodrigues, den Vorsitzenden Richter Stephane Maas wegen Befangenheit zu ersetzen. Der umstrittene Gerichtsprozess gegen André Lutgen wurde daraufhin unterbrochen und auf ein unbestimmtes Datum vertagt.  

Ob es sich um einen Machtkampf im Gerichtssaal handelt, schlichte Verzögerungstaktik ist oder der Prozess gänzlich zum Platzen gebracht werden soll, ist reine SpekulationJeden Falls ist sicher: Wird ein Richter während einer Hauptverhandlung abgelehnt, so darf er die Verhandlung so lange fortsetzen, bis eine Entscheidung über die Ablehnung ohne Verzögerung der Hauptverhandlung möglich ist.  

Staatsanwalt Georges Oswald meinte denn auchAngesichts der Bedeutung des Prozesses, kann über den Antrag nicht zwischen Tür und Angel entschieden werden. Er stellte den Vorsitzenden Richter vor die Wahl, selbst den Vorsitz abzugeben oder die Verhandlung sine die (auf ein unbestimmtes Datum) auszusetzen. Maas wählte den zweiten Weg. Die Verhandlung bis auf ein unbestimmtes Datum nicht zu eröffnen, hat zur Folge, dass der Fall jetzt beim Präsidenten des Bezirksgerichts Luxemburg Pierre Calmes liegt.